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Art des Spiels: Legespiel
Spieleautoren: Konstantinos Karagiannis &
Vangelis Bagiatrtakis
Verlag: Piatnik Spiele
Jahrgang: 2023
Spielerzahl: 2 bis 4 Spieler
Alter: ab 10 Jahren
Dauer: 45 bis 60 Minuten
Preis: € 35,90
Zielgruppe: Gelegenheitsspieler ++
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DAS nennt man ein richtiges europäisches Projekt. Zwei griechische Spieleautoren entwickeln ein Spiel, welches in der portugiesischen Hauptstadt spielt und von einem österreichischen Spieleverlag herausgebracht wird.
"Calçada" heißt das Werk, in dem wir portugiesische Gehwege mit ihrer charakteristischen Pflasterung gestalten, um mit dem Vervollständigen von Bezirken, sowie durch zusammenhängende Motive gleicher Art Siegpunkte zu erhalten.
Jeder von uns hat seine eigene Stadt zum Zupflastern, dargestellt durch Tableaus. Auf diesen finden sich 25 Felder (ein 5 x 5 Raster), die zu unterschiedlich großen Bezirken zusammengefasst sind. Der kleinste Bezirk umfasst gerade mal 2 Felder, der größte Bezirk schon deren fünf. Jedes Feld trägt zudem eine Ziffer zwischen 1 und 5.
Auf diese Felder wollen wir nun im Laufe des Spiels "Calçada"-Plättchen platzieren. Diese gibt es in fünf verschiedenen Farben, Die Plättchen jeder Farbe werden - sorgfältig voneinander getrennt - gemischt, und die 5 Stapel bereitgelegt. Von jedem Stapel werden dann 3 Plättchen aufgedeckt, welche eine offene Auslage bilden.
Daneben kommt der zentrale Spielplan, auf den 15 Pflastersteine (je 3 der fünf Farben) zufällig, aber nach einem bestimmten Schema, auf fünf der sechs Felder des Plans verteilt werden. Der letzte Pflasterstein jeder Farbe kommt auf die der Spielerzahl entsprechende Wertungstafel. Schließlich bekommen wir noch 2 Bonus-Plättchen vom Vorrat, und dann heißt's "Lá vamos nós!"
Der Spielablauf ist klar strukturiert. Sind wir an der Reihe, führen wir folgende zwei Schritte nacheinander aus:
Vervollständigen wir mit einem Plättchen einen Bezirk, kommt es zu einer Bezirkswertung. Wir erhalten pro Feld dieses Bezirkes so viele Punkte, wie der Pflasterstein auf der Wertungstafel in der farblich passenden Spalte anzeigt. Daraufhin rücken wir den Stein um ein Feld nach unten, wodurch für die nächste Wertung in dieser Farbe weniger Punkte zu holen sind.
Die meisten Calçada-Plättchen zeigen ein Motiv, wie einen Brunnen, eine Palme, eine Schirmbar oder eine Straßenbahn. Diese sind erst für die Endwertung von Bedeutung. Es gibt in jeder Farbe aber auch ein paar Plättchen, die ein Bonus-Symbol zeigen. Platzieren wir so ein Plättchen, erhalten wir zwei Bonus-Chips. In unserem Zug dürfen wir beliebig oft Bonus-Chips abgeben, um entweder vor Schritt A einen beliebigen Pflasterstein auf dem Spielplan ein Feld im Uhrzeigersinn weiterzuschieben, oder vor Schritt B die offene Auslage an Calçada-Plättchen der gewählten Farbe zu ersetzen.
Das Spiel endet, sobald durch eine Bezirkswertung der zweite Pflasterstein von der Wertungstafel runtergeschoben wird. In einer Schlusswertung bekommen wir neben ein paar Pünktchen für nicht eingesetzte Bonus-Chips (1 Punkt je 2 Chips), sowie für Plättchen in nicht abgeschlossenen Bezirken (je 1 Punkt) vor allem Punkte für zusammenhängende Motive gleicher Art auf unserem Tableau. Je mehr, desto besser, also beispielsweise für 3 gleiche Motive 3 Punkte, 8 oder mehr Motive sind sogar stolze 18 Punkte wert. Wir gewinnen, wenn wir schlussendlich die wertvollste Calçada errichtet haben.
"Calçada" bezeichnet die charakteristische Wegpflasterung in Portugal, meist aus weißem Kalkstein und schwarzem Basalt. Bei meinem Besuch in Lissabon, der nun leider auch schon viel zu viele Jahre zurückliegt, konnte ich mich davon persönlich überzeugen. Auch wenn dort an unzähligen Plätzen und Alleen vielmehr die sogenannte "Calçada artistica", der „Künstlerischen Gehweg" mit weitläufiger kunstvoller Ausgestaltung anzutreffen ist.
Jedenfalls haben wir hier ein attraktives, originelles Thema, welches in doch überzeugender Weise in ein Spiel integriert bzw. umgewandelt wurde.
Der Auswahlmechanismus erinnert ein wenig an den Klassiker "Mancala". Wir schieben einen Pflasterstein um ein Feld im Uhrzeigersinn weiter, um ein farblich und der Anzahl her passendes Plättchen nehmen und legen zu können. Natürlich sind wir dabei etwas abhängig von der momentanen Situation auf dem zentralen Spielplan, die sich zudem mit jedem Zug ändert. Wir haben aber genug Einflussmöglichkeiten, denn erstens stellen sechs oder mehr Steine auf einem Feld eine Art "Joker" dar, sodass ein beliebiger Wert angenommen werden kann. Und zweitens können wir durch die Abgabe von Bonus-Chips die Ausgangslage auf dem Spielplan ein wenig manipulieren.
Noch wichtiger erscheint mir, wie wir ein gewähltes Plättchen auf unser Tableau legen. Hier gilt es, schon in Schritt A geschickt vorzugehen, schließlich legen wir durch das erste in einem Bezirk platzierte Plättchen die Farbe fest, die dann auf allen Feldern dieses Bezirks zwingend übereinstimmen muss. Und auch die genannte Zahl ist von Bedeutung, benötigen wir sie doch, um ein bestimmtes Feld eines Bezirks belegen zu dürfen.
Und dann kommt es ja - in Hinblick auf die sehr wichtige Schlusswertung - darauf an, möglichst viele gleiche Motive bezirksübergreifend zusammenhängend zu bekommen. Hierbei spielt die offene Auslage selbstverständlich eine Rolle, was uns da gerade zur Verfügung steht. Aber auch hier haben wir die Möglichkeit, dies durch Abgabe von Bonus-Chips zu unseren Gunsten zu verändern, indem wir die Auslage austauschen, sprich: alle ausliegenden Plättchen einer Farbe abwerfen und durch neue vom entsprechenden Stapel zu ersetzen.
Etwas Interaktion kommt da ebenfalls ins Spiel, denn in jeder Farbe kommt jedes Motiv lediglich drei Mal vor, sodass wir schon darauf achten müssen, was unsere Mitspieler so sammeln. Sicher ist es für uns selber vorteilhafter, konstruktiv vorzugehen und gleiche Motive aneinanderzureihen. Manchmal aber kann auch destruktives Spielen Sinn machen, indem wir einem Konkurrenten ein Plättchen wegschnappen, mit welchem dieser eine Menge Punkte erzielen oder eine vorteilhafte Bezirkswertung auslösen könnte.
Die Verknüpfung von Farbe und Motiv hinsichtlich der Schlusswertung stellt sich somit als recht gefinkelt heraus und gefällt mir ausgesprochen gut. Spielerisch wüsste "Calçada" also durchaus zu überzeugen. Den Konjunktiv bei "wüsste" verwende ich übrigens mit voller Absicht. Der Grund, warum "Calçada" von mir trotz seiner interessanten Mechanismen eher negativ bewertet wird, liegt nämlich an gravierenden Schwächen beim Spielmaterial.
Die Calçada-Plättchen verdecken beim Legen dummerweise die Grenzen zwischen den Bezirken, sodass wir nicht mehr auf den ersten Blick erkennen können, zu welchem Bezirk ein Feld gehört. Selbst mir ist es in der einen oder anderen Partie passiert, dass ich ein Plättchen falsch platziert und somit den Spielverlauf verfälscht habe, obwohl mir diese Problematik absolut bewusst war. Hier ist redaktionell einiges schiefgelaufen, denn wenn der wichtigste Aspekt - eine klar ersichtliche Abgrenzung der Bezirke - nicht gelöst wird, ist ein regelkonformes, ordnungsgemäßes Spielen nur schwer möglich.
So gut mir der eigentliche Spielmechanismus auch gefällt, wirkt sich dieser Fehler der "Hardware" so gravierend aus, dass ich leider, leider, leider keine Empfehlung aussprechen kann. Hier wurde eine große Chance vertan.
Ich wünschte mir deshalb eine Neuauflage mit einem größeren Spielplan und einer etwas deutlicheren Umrandung bzw. Darstellung der Bezirke, sodass die Plättchen innerhalb der Feldbegrenzung liegen und somit eindeutig einem Bezirk zugeordnet werden können. Die Spieleschachtel böte an und für sich ausreichend Platz für einen 2 bis 3 cm größeren Spielplan. In der vorliegenden Form bringe ich "Calçada" allerdings sehr ungern auf den Spieltisch. Die mancherorts zu lesende Kritik an der grafischen Gestaltung kann ich hingegen nicht nachvollziehen. Diese weiß - ebenso wie die spielerische Qualität - doch zu überzeugen.
Franky Bayer
Bewertung: 3 (1/2) Schilde



