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Knobelritters Spielearchiv - Harmonies

Art des Spiels: Kartenauswahl-
                und Legespiel
Spieleautor:    Johan Benvenuto
Verlag:         Libellud
Jahrgang:       2024
Spielerzahl:    1 bis 4 Spieler
Alter:          ab 10 Jahren
Dauer:          ca. 30 Minuten
Preis:          ca. € 38,-

Zielgruppe:     Spielexperten       ++
                Gelegenheitsspieler (+)

Einleitung

Ich zitiere aus der Schachtelrückseite von "Harmonies":
"Erschaffe deine eigene kleine Welt, in der die Tiere im Einklang mit der Natur leben!"

Häh?! Also dies ist absolut nicht typisch menschlich. Vom modernen Homo sapiens sind wir es eher gewohnt, dass er Ökosysteme zerstört, die Pflanzen- und Tierwelt ausbeutet und stets bereit ist, auf der Suche nach Rohstoffen, Energie und Profit das empfindliche Gleichgewicht der Natur zu opfern.

Ich ordne aus diesen Gründen das Spiel dem Bereich der Phantasie zu, auf einer Stufe mit Märchen-, Fantasy- und Science Fiction-Spielen. Aber sei's drum. Grooven wir uns nichtsdestotrotz in Stimmung für die Schaffung eines harmonischen Lebensraumes für diverse Tierarten.

Spielbeschreibung

Um dies zu bewerkstelligen, benötigen wir ein paar Sachen. Zuerst brauchen wir ein persönliches Spieltableau, das wir gestalten sollen. Dieses verfügt über 23 oder 25 sechseckige Felder - je nachdem, mit welcher Seite wir spielen wollen. Dieses Tableau füllen wir im Laufe einer Partie mit Landschaften.

Diese kommen wiederum auf 120 runden Spielsteinen vor: Wasser (blau), Felder (gelb), Bäume (braun oder grün), Gebäude (rot) und Berge (grau). Alle Spielsteine füllen wir zu Beginn in einen Beutel. Daraus ziehen wir anschließend zufällig so viele heraus, um alle fünf Felder des gemeinsamen Spielplans mit je 3 Steinen zu bestücken.

Die Tiere finden wir schließlich auf 32 Tierkarten. Jede Tierkarte zeigt neben einer Abbildung des entsprechenden Tiers noch das Muster, das die Spielsteine auf unserem Tableau bilden müssen, um den Lebensraum zu erschaffen. Am rechten Rand jeder Karte befinden sich Felder für Tierwürfel. Je nach Karte können dies zwischen 2 und 5 Felder sein, auf denen darunter jeweils eine Punktezahl steht.

Vom gut gemischten Stapel der Tierkarten werden fünf Karten gezogen, welche eine offene Auslage bilden. Daneben werden alle Tierwürfel bereitgelegt. Und dann kann eine Partie "Harmonies" auch schon losgehen.

Wenn wir an der Reihe sind, besteht unser Spielzug aus zwei Aktionen. Zuerst müssen wir eine der Dreiergruppen von Spielsteinen nehmen und die Steine auf unser Tableau legen. Natürlich gibt es dafür strikte Legeregeln. So dürfen wir Steine nur auf leere Felder platzieren oder auf ganz bestimmte Steine, um damit Gebäude, Bäume oder Berge zu erschaffen. Auch bereits mit Tierwürfeln belegte Steine sind tabu. Alle erlaubten Möglichkeiten sind praktischerweise als Spielhilfe auf der letzten Seite der Spielanleitung abgedruckt.

Danach dürfen wir aus der offenen Auslage eine Tierkarte nehmen. Wir legen sie am oberen Rand unseres Tableaus an und platzieren auf jedes ihrer Felder am rechten Rand einen Tierwürfel. Außerdem dürfen wir - sogar mehrfach im selben Zug - Tierwürfel von einer Karte auf einen (unbelegten) Spielstein legen, wenn die entsprechende Bedingung erfüllt ist.

Bevor der nächste Spieler im Uhrzeigersinn dran ist, ziehen wir noch drei neue Steine aus dem Beutel und legen sie auf das freie Feld des Spielplans, zudem füllen wir bei Bedarf die Auslage an Tierkarten wieder auf 5 Stück auf.

Das Spiel endet, sobald der Beutel leer ist, wenn wir den Spielplan mit Steinen auffüllen müssten, oder wenn jemand von uns auf seinem Tableau am Ende seines Zuges 2 oder weniger unbesetzte Felder aufweist. In einer Schlusswertung ermitteln wir die Punkte für unsere Landschaften (laut Wertungsübersicht) und unsere Tierkarten. Bei Letzterem zählt für jede Karte - egal, ob abgeschlossen oder nicht - die Anzahl der Punkte, die unter dem obersten Feld ohne Tierwürfel steht. Die höchste Gesamtpunktezahl qualifiziert uns zwar nach wie vor nicht als Muster-Ökologen, aber zumindest als Sieger der Partie.

Fazit

Landschaften bilden und dort Tiere ansiedeln, um mit beiden Elementen Punkte zu erzielen - thematisch erinnert "Harmonies" doch stark an "Cascadia", 2022 immerhin zum "Spiel des Jahres" gekürt. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten, denn auf welche Weise dies geschieht, ist hier doch ganz anders gelöst.

Die Landschaften werden hier durch Spielsteine dargestellt, bzw. erschaffen. Die Spielsteine legen wir auf Felder unseres Tableaus, um damit Landschaften zu bilden. Interessant ist, dass manche Spielsteine (Wasser, Felder) zwingend nur auf freie Felder gelegt werden und auch nicht überbaut werden dürfen. Logisch, denn Flüsse und Felder sind und bleiben halt flach.

Andere Spielsteine, wie Bäume und Berge, können hingegen gestapelt werden. Nicht nur, dass sie auf diese Weise höhere Punkte bringen, erfordern manche Tierkarten zudem höhere Bäume und größere Berge. Und rote Spielsteine zählen überhaupt erst als Gebäude, wenn sie entweder auf Holz (braun), Stein (grau) oder Ziegel (rot) gebaut sind.

Diese Legeregeln sind also schon grundsätzlich abwechslungsreicher und kniffliger als jene von "Cascadia". Auch bei den Punkten unterscheiden sich beide Spiele sehr. Bei "Harmonies" zählen keine Mehrheiten, hier gibt es für jede Landschaft ein fixes Wertungsschema, wie recht übersichtlich auf der Wertungsübersicht angegeben.

Bei den Tieren werden keine speziellen Tiersteine auf den Landschaften platziert. Vielmehr sind es neutrale, für alle Tiere geltende Tierwürfel, die gelegt werden. Sie werden erst durch die Tierkarten, von denen sie genommen werden, definiert. Der Vorteil liegt darin, dass nun deutlich mehr unterschiedliche Tiere vorkommen als bloß die fünf bei "Cascadia". Insgesamt 32 Tierkarten finden wir vor, was für reichlich Varianz sorgt. Ich könnte mir sogar leicht vorstellen, dass in zukünftigen Erweiterungen noch weitere Tierkarten erscheinen.

Die Bedingungen der einzelnen Tierkarten sind unterschiedlich schwer zu erfüllen. Mal werden nur wenige Landschaftssteine benötigt, mal doch recht viele. Diesem Umstand wird durch die Anzahl an möglichen Tierwürfeln, als auch durch die zu erzielenden Punkte Rechnung getragen.

Beides - Landschaften wie Tiere - kann uns wertvolle Punkte bringen. Die Herausforderung besteht darin, die beiden Aspekte bestmöglich miteinander zu verbinden, sozusagen in Einklang zu bringen. Mit Geschick und etwas Glück sind durchaus Symbiosen möglich. Wichtiger Tipp: Man sollte tunlichst vermeiden, Tierkarten mit gleicher Farbe ausliegen zu haben, denn dies reduziert die Chancen, ihre Voraussetzungen auch tatsächlich erfüllen zu können.

Bei alldem ist naturgemäß ein gewisser Glücksanteil vorhanden. Wir sind doch stark davon abhängig, dass für unsere Tierkarten passende Steine auftauchen, bzw. für unsere bereits gelegten Steine günstige Tierkarten in die Auslage kommen. Auch die Interaktion spielt eine gewisse Rolle. Das gelegentliche Wegschnappen von Steinen oder Karten passiert jedoch eher unbeabsichtigt, weil wir uns doch hauptsächlich auf unser persönliches Tableau, unsere eigenen Möglichkeiten konzentrieren.

Das oben beschriebene Grundspiel ist für sich betrachtet schon reizvoll genug und sorgt für ausreichend Abwechslung. Es werden aber auch Varianten geboten. Die Rückseite der Spielertableaus etwa zeigt statt 23 Feldern nun 25 Felder, womit bereits höhere Punktewerte möglich sind. Außerdem wird auf der B-Seite mit den blauen Wassersteinen kein möglichst langer Fluss gebildet, sondern die Spielfläche in Inseln unterteilt, die jeweils 5 Punkte wert sind.

Eine weitere Alternative bieten die Naturgeistkarten. Erweitern wir das Grundspiel mit diesen Karten, erhalten wir anfangs zufällig 2 von den 10 vorhandenen Naturgeistkarten, von denen wir eine behalten und offen an unser Tableau auslegen. Die Naturgeistkarten sind ähnlich aufgebaut wie die Tierkarten. Deren Bedingung muss jeder aber nur einmal erfüllen, um bei der Schlusswertung Zusatzpunkte zu bringen. Dies können - je nach Karte - entweder Punkte für bestimmte Einzelfelder (Bäume, Berge, Felder, etc.) oder für Gruppen verbundener Landschaftsgebiete. Auf diese Weise können sie die Ausbeute an Punkten merklich erhöhen.

Auch ein gut funktionierender Solo-Modus wird offeriert. Der Aufbau ist leicht verändert, so weist die Rückseite des Spielplans nur 3 Felder für Dreiergruppen auf (die nicht genommenen Steine kommen nach unserem Spielzug aus dem Spiel), und die Auslage wird aus bloß 3 Tierkarten gebildet. Es gilt für uns, möglichst viele Sonnen zu erzielen, deren Anzahl von den erreichten Punkten und dem gewählten Szenario abhängt (A- oder B-Seite, Naturgeister).

Ganz besonders gut gefällt mir das hochwertige Spielmaterial mit großformatigen Karten, Holzsteinen, einem großen Stoffbeutel, stabilen Tableaus, durchsichtigen Würfelchen und einem praktischen Wertungsblock. Die Spielanleitung ist vorbildlich. Und die grafische Gestaltung ist toll, mit einem Stil, den ich als künstlerisch wertvoll und einfach bezaubernd erachte. Es passt zum positiven Gesamtbild, dass die Spielsteine nicht nur unterschiedliche Farben, sondern (bis auf die braunen Steine) auch ein Muster aufweisen. Außerdem sind sie nicht kreisförmig, sondern leicht unrund, was das haptische Erlebnis ab"rundet".

Insgesamt ist "Harmonies" ein wirklich ausgezeichnetes Spiel mit ausreichend taktischer Tiefe und angenehmer Spieldauer, sowie liebevoller Gestaltung. Der Gesamteindruck ist - zum Titel passend - sehr harmonisch, weshalb es für mich eine Top-Empfehlung darstellt!

Franky Bayer

Bewertung: 5 Schilde