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Knobelritters Spielearchiv - Woodcraft

Art des Spiels: Aktionswahlspiel
Spieleautoren:  Vladimír Suchý
                und Ross Arnold
Verlag:         Pegasus Spiele
Jahrgang:       2022
Spielerzahl:    1 bis 4 Spieler
Alter:          ab 12 Jahren
Dauer:          60 bis 120 Minuten
Preis:          € 53,90

Zielgruppe:     Spielexperten ++

Einleitung

Ein klein wenig war ich bisher immer neidisch auf Berufe wie Architekt, Bauer, Seeräuber oder natürlich Ritter. Was hat es nicht schon alles für tolle Spiele mit diesen Berufsgattungen gegeben? Zugegeben, als Ritter und Seeräuber musste man auch schon für viel Schrott herhalten, aber wenigstens war man auf den Spielbrettern präsent.

Als Schreiner hingegen fühlte ich mich bisher eher unterrepräsentiert im Spielekosmos. Doch nun hat kein geringerer als Vladimír Suchý sich dieser Lücke angenommen, und dafür dann auch gleich ein recht umfangreiches Werk erschaffen. Schreinern ist eben nichts "für schnell mal zwischendurch", das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Spielbeschreibung

4 Spielbretter, 6 verschiedene Kartenstapel und noch einiges an Beiwerk, das ist schon mal eine Ansage. 12 Seiten Regeln (ohne Einleitung, Aufbau und Regelzusammenfassung am Ende).

Hab ich schon alle Leser abgeschreckt? Egal, ich schreib trotzdem weiter und spoilere an dieser Stelle: mir macht's Spaß!

Hauptelement des Spiels ist ein Aktionsrad mit vier Quadranten. Anfänglich liegen alle sieben verschiedenen Aktionsplättchen im ersten Quadranten. Pro Zug wählt man eins dieser Plättchen aus, führt die entsprechende Aktion aus und legt das Plättchen anschließend in den nächsten Quadranten.

Wichtig dabei: Alle Spieler haben (fast) jederzeit die Auswahl aus allen möglichen Aktionen. Doch mit dem Fortschreiten der vordersten, häufig gewählten Aktionen bekommen die hinteren Quadranten und die darin noch befindlichen Aktionen erst einen und dann sogar zwei wertvolle Boni „zugedreht". Da muss man bei der Aktionsauswahl mitunter gut abwägen, welche Aktionen (in welcher Reihenfolge) gerade am günstigsten sind.

Doch was machen wir eigentlich im Spiel, außer Aktionen auswählen?

Wir bauen aus Holz die verschiedensten Gegenstände, z.B. eine Flöte, ein Bett, ein Klavier, ein Ruderboot und vieles anderes. Je nach Objekt brauchen wir dazu Holz in drei unterschiedlichen Sorten (Würfel in grün, gelb und braun) und Mengen, dargestellt durch die Augenzahl der Würfel. Ein Schaukelstuhl braucht z.B. zwei gelbe 3er und einen grünen 1er Würfel.

Holz kann man entweder (über Aktionen) auf dem Markt kaufen, oder anpflanzen und wachsen lassen. Doch was, wenn ich nun eine gelbe 6 habe, aber ja zwei 3er brauche? Dann kommt die Säge zum Zug und schneidet meinen gelben Würfel in zwei Teile. Wahlweise kann ich mit einer Zusatzsäge auch zwei Schnitte machen, habe dann also einen 1,2 und 3er Würfel und leime an den 2er noch ein Stück Restholz wieder dran, so dass er auch zur 3 wird.

Kann ich die genau passenden Würfel für den Auftrag abgeben, habe ich ihn erfüllt und erhalte meine „Bezahlung" in Blaubeeren, Siegpunkte, sowie meist noch verschiedene andere „Belohnungen" wie Schritte auf der Rufleiste, Werkzeug oder Material für den nächsten Auftrag.

Bei der Arbeit helfen mir noch verschiedene Gehilfen, die ich zum Preis einiger Blauberren anstellen muss, und die dann Aktionen verbessern, mehr Holz wachsen lassen oder anderweitig für mehr Einkommen sorgen.

Auf die Dauer bauen sich so alle SpielerInnen ihre eigene kleine Werkstatt auf und versuchen damit, in den nur 13 Zügen möglichst viel Siegpunkte zu erreichen. (Und wer sich jetzt fragt, warum die Anleitung so lang ist, und die Beschreibung so kurz: Ja, ich hab einiges an Details weggelassen.)

Fazit

Schreinern will gelernt sein, und das ist mit "Woodcraft" auch so. Kein Spiel zum schnell Losspielen, erst mal gründlich durch die Anleitung arbeiten, keine Details überlesen. Anschließend umfangreiche Erklärung und dann vorsichtig losspielen. Dabei immer wieder Zwischenfragen beantworten, wie war das noch mal, was darf ich bei dem noch mal, kann ich auch …, wenn ich … mache? Ja kann denn niemand mehr mal ne halbe Stunde Regelvortrag konzentriert zuhören und sich alles merken? Am Schluss hat man vor lauter Coaching sein eigenes Spiel vergessen, verliert haushoch und bekommt dann erklärt, so schwierig sei es doch gar nicht.

Und das stimmt ein Stück weit auch. Obwohl die Regeln recht umfangreich sind, ist das Spiel weniger kompliziert als ich zunächst die Befürchtung hatte. Viele Aktionen bzw. Regeln ergeben sich stimmig aus dem Thema und fügen sich zu einer halbwegs sinnvollen Geschichte zusammen, was es mir einfacher macht, die Zusammenhänge im Blick zu behalten. Anstrengend sind nur die vielen kleinen Boni, die hier und da und dort mit fast jeder Aktion noch verteilt werden. Nicht selten geht mal einer vergessen, aber mit toleranten Mitspielern lässt sich das auch regeln.

13 Züge sind nicht viel Zeit für so ein umfangreiches Spiel und so gilt es, einen guten Fokus zu finden, um in der wenigen Zeit die richtigen Züge zu machen. Immer wieder wird dieser Fokus von den sich verändernden Bedingungen auf dem Spielbrett in Frage gestellt - mitunter (zum Glück nur selten) kann es einem auch passieren, dass die gewünschte Aktion nicht verfügbar ist. Ein sinnvoller Zug hat sich aber noch immer gefunden.

Die Interaktion zwischen den Spielern ist gering und beschränkt sich hauptsächlich auf „zufälliges" Wegschnappen einer gewünschten Aktion. Ganz egal sind mir die Züge meiner Mitspieler nicht, sie beeinflussen das Spielgeschehen und entsprechend auch meinen Zug. Einen gravierenden oder sogar negativen Einfluss auf mein Spiel gibt es aber im Normalfall aber nicht.

Entsprechend kann das Spiel von 1 bis 4 Spielern gespielt werden, wobei mir das Spiel zu zweit weniger Spaß gemacht hat, da spielt man sehr nebeneinander her. (Allein spiele ich nie, das kann ich nicht bewerten). Spannender wird es mit 3 oder 4 Spielern, da dann der Aktionsauswahlmechanismus auf dem Rad erst so richtig in Schwung kommt und besser funktioniert. Die Spieldauer geht dann Richtung 2 Stunden, was ich für das Gebotene aber absolut OK finde.

Das Material ist heute gängiger Standard, stabiler Karton, ordentliche Würfel, da gibt es nichts zu bemängeln.

Insgesamt ein gelungenes Spiel im oberen (aber noch nicht ganz hohen) Komplexitätsbereich mit schönem Thema. (Zur Grafik und den Blaubeeren sag ich nichts, da kann sich jeder selber seinen Teil denken.)

Michael Timpe

Bewertung: 5 Schilde