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Deduktion, Kooperation, Explosion! So präsentiert sich Bomb Busters!
In diesem kooperativen Deduktionsspiel geht es darum, gemeinsam Bomben zu entschärfen. In 66 verschiedenen Missionen gilt es, schrittweise zwei identische Kabel zeitgleich zu durchtrennen. Ein paar kleinere Fehler werden hierbei verziehen. Wer jedoch zu viele Fehler macht bzw. das rote Kabel erwischt, bringt die Bombe zur Explosion und muss die Mission nochmal von vorne starten.
Es gibt in Summe 66 verschiedene Missionen: Die ersten 8 Missionen sind Schulungs-Missionen, um das Grundspiel kennenzulernen. Dabei verändert sich die Komplexität der Aufgaben von Mission zu Mission.
Das Grundprinzip des Spiels sieht wie folgt aus:
In Abhängigkeit von der Mission wird eine bestimmte Anzahl der insgesamt 70 Kabelplättchen gemischt und verdeckt an alle Mitspieler verteilt. Die blauen Kabel haben Werte von 1 - 12 und in jeder Mission sind grundsätzlich immer 4 blaue Kabel des gleichen Werts vorhanden. Die verteilten Kabelplättchen steckt jeder Spieler in aufsteigender Reihenfolge auf seinen Kabelhalter, so dass die anderen Team-Mitglieder die Kabel nicht sehen können. Um den Start zu erleichtern, darf jeder Spieler den Wert eines einzigen Kabels offenlegen.
Nun wird reihum versucht, Kabelpaare zu finden, d.h. man sucht bei den anderen Spielern Kabelplättchen, die den gleichen Zahlenwert haben, wie eines der eigenen Plättchen. Hierzu zeigt man auf die Kabelkarte eines Mitspielers und sagt laut, welchen Wert diese Karte haben soll (= „Duoschnitt").
War der Tipp falsch, dreht sich der Zeiger des Zünders ein Feld weiter und man kommt einem frühzeitigen Ende einen Schritt näher.
War der Tipp korrekt und man hat ein passendes Pärchen gefunden, werden die Plättchen offen vor dem Kartenhalter aufgedeckt - und zwar genau an der Stelle, an der sich die Kärtchen befunden haben. Dies wiederum generiert zusätzliche Informationen für alle Spieler, welche Zahlenwerte die noch verdeckten Karten haben können.
Sollte man selbst ein identisches Pärchen auf der Hand haben, darf man dieses erst entschärfen, wenn das andere Pärchen desselben Werts bereits gefunden und aufgedeckt wurde (= „Soloschnitt").
Schrittweise kommen in der Trainingsphase weitere Elemente hinzu, so z.B. gelbe Kabel, die ebenfalls auch nur gemeinsam durchgeschnitten werden dürfen oder rote Kabel, die niemals durchschnitten werden dürfen. Auch diese Kabelkarten haben Zahlenwerte (mit einer Nachkommastelle) und werden zwischen die blauen Karten sortiert.
Die Partie endet:
Sobald alle blauen Kabel durchschnitten wurden, ohne den Zeiger des Zünders in den roten Bereich zu schieben, und das Entschärfungsteam die Mission erfolgreich überstanden hat. Gratulation!
Landet der Zeiger für Fehlversuche im roten Bereich oder wurde ein rotes Kabel durchtrennt, geht die Bombe hoch und die Mission gilt als gescheitert!
Wie viele blaue, gelbe und rote Kabel ins Spiel kommen, geben die jeweiligen Missionen vor.
Ebenfalls kommen dadurch schrittweise Ausrüstungskarten ins Spiel. Diese geben dem Entschärfungsteam zusätzliche Hilfestellungen. Sie ermöglichen z.B. zusätzliche Schnitt-Versuche oder erlauben es, einmalig auf 2 Kabel parallel zu zeigen, wovon nur eines der beiden Kabel richtig sein muss. Die in Summe 5 Überraschungsboxen beinhalten weitere Elemente und Regeln, auf welche ich hier nicht weiter eingehe, um nicht zu sehr zu spoilern.
„Bomb Busters" ist in seinen Grundregeln relativ einfach, und wenn man sich die Regeln zu Beginn durchliest, wirken diese schon nahezu trivial bis beliebig. Man sieht unzählige Drähte und soll nun wissen, welcher der richtige Draht ist? Ist das nicht ein reines Glücksspiel?
Mitnichten! Einmal gestartet, erkennt man schnell, dass das Prinzip ganz und gar nicht beliebig ist:
Durch die aufsteigende Sortierung der Kabelnummern, sowie der Möglichkeit, dass jeder Spieler zu Partiebeginn bereits einen Kabelwert offenbart, das wiederum in Kombination mit den Informationen aus der eigenen Auslage, gibt schon ausreichend Grundinformationen, um zu starten ohne gleich zu Beginn zu scheitern. Das Deduktions-Puzzle wird durch die Fragen der anderen Spieler sowie durch die bereits zerschnittenen, offen ausliegenden Kabel zunehmend ergänzt.
Sofern das Team gut zusammenarbeitet, sind diese Informationen in vielen Missionen ausreichend, um eine Partie zu gewinnen. Natürlich bleibt stets ein Restrisiko und es wird auch mal schief gehen. Dafür dauert eine Partie nur knapp ca. 15 Minuten und lädt somit ein, sofort einen weiteren Versuch nachzuschieben.
Mit der Grundausbildung (Mission 1-8) erlernen alle Spieler die Basis-Elemente und sind danach bereit für die richtigen Missionen. Ein typischer Anfängerfehler ist dabei, versehentlich nach Zahlenwerten zu fragen, die man selbst nicht auf der Hand hat. Sobald man das Spiel mit "Neulingen" startet, sollte man zumindest 2-3 Missionen der Grundmissionen spendieren, damit diese die Grundprinzipien verstehen, was natürlich immer etwas Zeit in Anspruch nimmt. Von daher empfiehlt es sich, eine feste Spielegruppe zu etablieren, wenn man wirklich alle Szenarien durchspielen möchte. Und das lohnt sich, denn hat man die Grundprinzipien verstanden, wird es richtig interessant und der eigentliche Reiz von „Bomb Busters" entfaltet sich.
Man wird zunehmend neugierig, welche Ideen in den 5 Missions-Boxen stecken. Die insgesamt 66 Missionen bieten zwar keine erkennbare Storyline, welche man durchspielt, sie bieten aber viel Varianz, sowie neue Elemente und Überraschungen. Dadurch kann zusätzlicher Zeitdruck entstehen, es wird aber auch mit Online-Soundfiles multimedial gearbeitet. Mehr möchte ich jedoch nicht spoilern… da lasst euch mal schön überraschen!
Ich kann nur sagen: Das macht richtig Spaß!
Positiv ist zudem, dass „Bomb Busters" in allen Spielerkombinationen (2-5 Spieler) einwandfrei funktioniert. Lediglich die Partie zu dritt finde ich persönlich suboptimal, denn 1 Person muss mit zwei Kabelhaltern spielen. Dadurch entsteht eine gewisse Asymmetrie, die mir persönlich nicht ganz so gut gefällt.
Jeder Spieler muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Niemand kann die Führung der anderen übernehmen, wodurch ein Alphatier-Syndrom ausgeschlossen ist.
Downtime gibt es keine, da man stets seine Strategie anpassen muss. Dies erfolgt in Abhängigkeit davon, nach welchen Zahlen gefragt und welche Zahlen aufgedeckt werden.
Ein gutes Zusammenspiel ist ebenfalls wichtig. Man darf sich zwar nicht miteinander abstimmen, aber man findet andere Wege sich gegenseitig zu unterstützen, indem man Informationen freigibt, die andere Spieler wiederum nutzen können.
Eigentlich spricht alles für ein Familienspiel. Lediglich das Thema "Bomben entschärfen" ist aus meiner Sicht nicht so wirklich familientauglich. Mit der Verniedlichung durch Comic-Style versuchte man hier wohl schon das Thema redaktionell zu "entschärfen".
Vernachlässigt man das thematische Argument, halte ich „Bomb Busters" wirklich für ein Bomben-Spiel und es hat alles, was ich mir von einem guten Spiel wünsche: Es erfordert deduktives Denken, ist kooperativ, kurzweilig, spannend, weiß zu überraschen und in allen meinen gespielten Partien wusste es auch zu begeistern. Man sollte deduktiven und kooperativen Spielen jedoch nicht abgeneigt sein
Will man alle 66 Levels durchspielen, hat man viele Stunden Spielspaß. Ob die Varianz der Szenarien über 66 Level ausreichend begeistert, muss dann jeder für sich selbst beurteilen. Es handelt sich zumindest um kein Legacy-Spiel, d.h. selbst nach den 66 Leveln kann man „Bomb Busters" jederzeit wieder auf den Tisch legen.
Für mich ist „Bomb Busters" eines der Highlights aus dem Jahrgang 2024 und ich lasse mich überraschen, welche Spielepreise dieses Spiel in 2025 einheimsen wird. Ich bin da sehr zuversichtlich.
Frank Gartner
Bewertung: 5½ Schilde



